In einer neuen Auswertung, die in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet erschienen ist, wurden 19 verblindete Studien mit fünf verschiedenen Statinen ausgewertet und die Nebenwirkungsraten mit den Angaben in den Packungsbeilagen verglichen. Alle Studien waren verblindet, d. h. die Patienten und die Ärzte wussten jeweils nicht, ob ein Teilnehmer tatsächlich ein Statin erhielt. Insgesamt wurden rund 124.000 Patienten ausgewertet.
Von den 66 Nebenwirkungen in den Packungsbeilagen traten nur vier tatsächlich häufiger während der Einnahme eines Statins auf: zwei verschiedene erhöhte Leberwerte (0,3 % pro Jahr), Ödeme (1,38 % pro Jahr) sowie eine veränderte Urinzusammensetzung (0,21 % pro Jahr).
Eine Muskelschädigung, die auch Laborveränderungen verursachte, trat pro Jahr bei einem von 10.000 Studienteilnehmern auf. Weniger starke Muskelschmerzen traten in dieser Gruppe von Menschen – die nicht wussten, ob sie ein Statin bekommen – pro Jahr bei etwa 1 % der Teilnehmer auf. Die Beschwerden waren jedoch ab dem zweiten Jahr nicht mehr statistisch häufiger als ohne Statin.
Außerdem nachweisbar ist ein vermehrtes Auftreten von Diabetes, wobei vor allem Teilnehmer betroffen waren, die ohnehin bereits kurz vor der Entwicklung eines Diabetes standen. Trotzdem war die Rate an Gefäßereignissen (Herzinfarkt, Schlaganfall etc.) in der Gruppe, die das Statin einnahm, niedriger.
Zusammenfassend sind die tatsächlichen Nebenwirkungen deutlich weniger ausgeprägt, als es die Packungsbeilage darstellt. Die Angst vor möglichen Nebenwirkungen verhindert bei vielen Patienten eine regelmäßige Einnahme der Statine, wodurch wieder viele Tausend Herzinfarkte und Schlaganfälle auftreten.
Da die Packungsbeilagen daher nicht geeignet sind, Patienten vernünftig aufzuklären, sondern in erster Linie der rechtlichen Absicherung dienen, haben Experten eine Packungsbeilage auf Grundlage der wissenschaftlichen Daten entwickelt.
Quelle
- Reith C et al. Assessment of adverse effects attributed to statin therapy in product labels: a meta-analysis of double-blind randomised controlled trials. The Lancet 2026.
